Die kurze Antwort: Vom Falleingang bis zum ersten Geld auf dem Konto vergehen bei uns im Mittel 28 Tage. Der durchschnittliche Unfallschaden liegt bei rund 6.350 €, fast die Hälfte aller Schäden zwischen 3.000 und 7.500 €. Das Sachverständigenhonorar liegt im Mittel bei 860 € netto und wird bei unverschuldetem Unfall vollständig von der gegnerischen Versicherung getragen. Alle Werte stammen aus den abgerechneten Akten von Clevergutachten, nicht aus Schätzungen Dritter.

Über Unfallregulierung wird viel geschrieben und wenig gerechnet. Die meisten Zahlen im Netz sind voneinander abgeschrieben oder grob geschätzt. Diese Auswertung stammt aus unseren eigenen abgerechneten Gutachtenakten.

Wie hoch Unfallschäden tatsächlich ausfallen

Die häufigste Fehleinschätzung nach einem Unfall lautet: „Das sind vielleicht ein paar hundert Euro.” So verteilen sich die Schadenhöhen in unseren Gutachten tatsächlich:

Schadenhöhe (netto)Anteil der Gutachten
bis 1.000 €2 %
1.000 bis 3.000 €23 %
3.000 bis 7.500 €46 %
7.500 bis 10.000 €15 %
10.000 bis 15.000 €10 %
über 15.000 €4 %

Nur 2 Prozent aller Schäden liegen unter 1.000 €, also in dem Bereich, in dem sich ein Gutachten tatsächlich erübrigen kann. Der Schwerpunkt liegt zwischen 3.000 und 7.500 €: Fast die Hälfte aller Fälle landet in diesem Korridor, der durchschnittliche Schaden bei rund 6.350 €.

Der Grund für die Diskrepanz zwischen Bauchgefühl und Kalkulation liegt in der Bauweise moderner Fahrzeuge. Ein Stoßfänger ist heute Träger für Abstandssensoren und Kameras, Scheinwerfer sind Elektronikbaugruppen mit eigener Steuerung, und Karosserien werden geklebt, genietet und fließlochgeschraubt statt nur geschweißt. Wird ein Bauteil getauscht, schreibt der Hersteller häufig vor, angrenzende Fügeverbindungen mit zu erneuern, weil sie nicht wiederverwendbar sind. Diese Folgearbeiten sieht man dem Fahrzeug von außen nicht an.

Was ein Gutachten kostet

Das Sachverständigenhonorar bemisst sich nach der Schadenhöhe. Aus unseren abgerechneten Fällen, jeweils Gesamthonorar netto einschließlich Nebenkosten:

KennzahlWert
Mittleres Honorar (Median)860 €
Mittlere Hälfte der Fälle707 € bis 1.075 €
8 von 10 Fällen597 € bis 1.309 €

Diese Werte liegen im HB-V-Korridor der BVSK-Honorarbefragung, also in dem Bereich, den Gerichte als angemessen ansehen. Für einen Schaden in Höhe des Durchschnitts weist die BVSK-Tabelle rund 740 € Grundhonorar aus; zusammen mit den üblichen Nebenkosten ergeben sich die rund 860 €, die bei uns als Median stehen.

Für Geschädigte ist diese Zahl vor allem eine Kontrollgröße. Bezahlen musst du sie bei fremder Schuld nicht: Das Honorar trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung, und wenn sie kürzt, stellen wir dir den Rest trotzdem nicht in Rechnung. Details dazu im Ratgeber Was kostet ein Kfz-Gutachter.

Wie lange die Regulierung dauert

Die Frage, die nach dem Unfall am häufigsten gestellt wird, ist die nach dem Geld. Gemessen vom Eingang des Falls bei uns bis zum ersten Zahlungseingang:

KennzahlDauer
Mittelwert (Median)28 Tage
Gutachten nach Besichtigung24 bis 48 Stunden
Typischer Gesamtverlaufetwa 3 bis 6 Wochen

Das Gutachten selbst ist dabei nicht der Engpass: Es liegt in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Besichtigung vor. Die Zeit vergeht danach, in der Prüfung durch die gegnerische Versicherung und in der internen Freigabe.

Wer dir eine Regulierung binnen weniger Tage zusagt, verspricht etwas, das er nicht steuern kann. Realistisch sind drei bis sechs Wochen, und mit einem sauber belegten Gutachten verschiebt sich diese Spanne eher nach unten, weil weniger Rückfragen entstehen. Einzelne Fälle dauern länger, etwa bei strittiger Schuldfrage oder wenn die Versicherung Nachfragen zur Kalkulation stellt.

Was diese Zahlen für deinen Fall bedeuten

Drei Schlüsse lassen sich aus der Auswertung ziehen.

Erstens: Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Schaden über der Bagatellgrenze von rund 750 € liegt, ist sehr hoch. Nur ein kleiner Bruchteil der Fälle bleibt darunter. Die Frage „lohnt sich ein Gutachten überhaupt” beantwortet sich in den allermeisten Fällen von selbst.

Zweitens: Das Honorar steht in keinem Verhältnis zu dem, was ohne Gutachten verloren geht. Merkantile Wertminderung und Nutzungsausfall tauchen in keinem Kostenvoranschlag einer Werkstatt auf, summieren sich aber bei einem mittleren Schaden regelmäßig in den vierstelligen Bereich.

Drittens: Plane die Regulierungsdauer ein. Wer ein Ersatzfahrzeug braucht, sollte den Anspruch auf Nutzungsausfall oder Mietwagen von Anfang an dokumentieren lassen, statt ihn nachträglich geltend zu machen.

Zur Methodik

Die Angaben stammen aus abgerechneten Gutachtenakten unseres Betriebs. Ausgewertet wurden ausschließlich Haftpflichtschäden, also Fälle mit einem eintrittspflichtigen Unfallgegner.

Veröffentlicht werden nur aggregierte Kennzahlen: Durchschnitte, Mediane, Anteile und Spannen. Einzelfalldaten, Namen, Kennzeichen oder Angaben zu einzelnen Versicherungen fließen nicht ein. Die Schadenhöhen beziehen sich auf Nettobeträge laut Gutachten, die Honorare auf Nettobeträge einschließlich Nebenkosten. Die Regulierungsdauer misst den Zeitraum vom Eingang des Falls bis zum ersten Zahlungseingang; Teilzahlungen zählen als Eingang.

Kennzahlen mit zu geringer Fallzahl haben wir bewusst weggelassen, auch wenn sie interessant gewesen wären. Eine Zahl, die auf einer Handvoll Fälle beruht, ist keine Aussage, sondern Zufall.

Häufige Fragen zur Auswertung

Sind diese Zahlen auf meinen Fall übertragbar?

Als Größenordnung ja, als Prognose nein. Jeder Schaden hat eigene Parameter: Fahrzeugalter, Bauweise, Schadenumfang und die Frage, wie zügig die gegnerische Versicherung arbeitet.

Warum nennt ihr keine Zahlen zu einzelnen Versicherungen?

Weil die Fallzahlen je Versicherung zu klein wären, um daraus etwas Belastbares abzuleiten. Aus fünf oder zehn Vorgängen ein Ranking zu bauen, wäre unseriös.

Wie oft kürzen Versicherungen das Honorar?

Kürzungen kommen regelmäßig vor, meist bei Nebenkosten. Eine belastbare Quote veröffentlichen wir bewusst nicht, weil sich abgeschlossene von noch laufenden Regulierungen in den Daten nicht sauber genug trennen lassen. Für dich ändert es ohnehin nichts: Du bekommst keine Rechnung, egal wie die Versicherung entscheidet.

Wie aktuell sind die Daten?

Die Auswertung bildet den Stand August 2026 ab und wird jährlich aktualisiert.