Nach einem Unfall bekommst du Schreiben, in denen Begriffe stehen, die vorher niemand erklärt hat: Wiederbeschaffungswert, merkantile Wertminderung, Restwertbörse, 130-Prozent-Regel. Genau an diesen Begriffen entscheidet sich, wie viel Geld am Ende bei dir ankommt.
Hier stehen sie in verständlicher Sprache, jeweils mit dem, was sie für deinen Fall praktisch bedeuten. Jeder Begriff hat eine eigene Seite mit Definition, Einordnung und Praxishinweisen.
Geld & Ansprüche
130-Prozent-Regel
Die 130-Prozent-Regel erlaubt eine Reparatur auch dann, wenn die Kosten bis zu 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert liegen.
Abschleppkosten
Abschleppkosten sind die Kosten für den Transport eines nicht fahrbereiten Fahrzeugs von der Unfallstelle.
Abzug neu für alt
Ein Abzug neu für alt wird vorgenommen, wenn durch die Reparatur ein verschlissenes Teil gegen ein neues ersetzt wird und das Fahrzeug dadurch messbar wertvoller ist.
BVSK-Honorartabelle
Die BVSK-Honorartabelle ist das Ergebnis einer regelmäßigen Umfrage unter Kfz-Sachverständigen darüber, welche Honorare sie tatsächlich abrechnen.
Fiktive Abrechnung
Bei der fiktiven Abrechnung lässt sich der Geschädigte die im Gutachten ermittelten Reparaturkosten auszahlen, ohne tatsächlich reparieren zu lassen.
Haftpflichtschaden
Ein Haftpflichtschaden liegt vor, wenn ein anderer den Unfall verursacht hat und dessen Kfz-Haftpflichtversicherung eintritt.
Honorarkürzung
Von einer Honorarkürzung spricht man, wenn die eintrittspflichtige Versicherung das Sachverständigenhonorar nicht vollständig erstattet.
Kaskoschaden
Ein Kaskoschaden wird über die eigene Teil- oder Vollkaskoversicherung reguliert, etwa bei Hagel, Wildunfall, Diebstahl oder selbst verursachten Unfällen.
Merkantile Wertminderung
Die merkantile Wertminderung ist der Wertverlust, den ein Fahrzeug allein dadurch erleidet, dass es einen Unfall hatte.
Mietwagenklasse
Die Mietwagenklasse bestimmt, welches Ersatzfahrzeug nach einem Unfall erstattungsfähig ist; sie orientiert sich am beschädigten Fahrzeug.
Nutzungsausfallentschädigung
Die Nutzungsausfallentschädigung ist ein Geldbetrag für jeden Tag, an dem das beschädigte Fahrzeug nicht genutzt werden kann.
Restwert
Der Restwert ist der Betrag, den das beschädigte Fahrzeug in seinem aktuellen Zustand noch erzielt.
Sachverständigenhonorar
Das Sachverständigenhonorar ist die Vergütung für die Erstellung des Schadengutachtens; es bemisst sich nach der Schadenhöhe zuzüglich Nebenkosten.
Schmerzensgeld
Schmerzensgeld ist ein Ausgleich für körperliche und seelische Beeinträchtigungen nach einem Unfall.
Standgebühren
Standgebühren fallen an, wenn ein beschädigtes Fahrzeug auf einem fremden Gelände abgestellt wird, etwa bei Abschleppdienst oder Werkstatt.
Unkostenpauschale
Die Unkostenpauschale ist ein pauschaler Betrag für Nebenkosten wie Telefonate, Porto und Fahrten zur Werkstatt, den der Geschädigte ohne Einzelnachweis erhält.
Wertverbesserung
Von Wertverbesserung spricht man, wenn das Fahrzeug nach der Reparatur objektiv mehr wert ist als vor dem Unfall.
Wiederbeschaffungsdauer
Die Wiederbeschaffungsdauer ist der Zeitraum, den die Beschaffung eines gleichwertigen Ersatzfahrzeugs realistisch beansprucht.
Wiederbeschaffungswert
Der Wiederbeschaffungswert ist der Betrag, den man am regionalen Markt für ein gleichwertiges Fahrzeug bezahlen müsste, inklusive der üblichen Händlerspanne.
Wirtschaftlicher Totalschaden
Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen, das Fahrzeug technisch aber reparierbar wäre.
Gutachten & Technik
Beilackierung
Beilackierung bezeichnet das Mitlackieren angrenzender, unbeschädigter Bauteile, damit der Farbübergang unsichtbar bleibt.
Beweissicherung
Beweissicherung ist die lückenlose Dokumentation des Schadenbildes, bevor sich der Zustand verändert.
Kurzgutachten
Ein Kurzgutachten ist eine schlanke Schadenfeststellung für kleinere Schäden unterhalb der Bagatellgrenze.
Nachbesichtigung
Eine Nachbesichtigung ist die erneute Begutachtung eines Fahrzeugs, wenn sich während der Reparatur verdeckte Schäden zeigen.
Reparaturbestätigung
Die Reparaturbestätigung ist der Nachweis, dass ein Fahrzeug tatsächlich und fachgerecht instand gesetzt wurde.
Reparaturkalkulation
Die Reparaturkalkulation ist die rechnerische Aufstellung aller Arbeitsschritte, Ersatzteile und Lackierkosten zur Instandsetzung eines Fahrzeugs.
Restwertbörse
Restwertbörsen sind Online-Plattformen, auf denen überregionale Aufkäufer Gebote für beschädigte Fahrzeuge abgeben.
Stundenverrechnungssätze
Stundenverrechnungssätze sind die Arbeitskosten pro Stunde, die eine Werkstatt für Karosserie-, Mechanik- und Lackierarbeiten berechnet.
UPE-Aufschläge
UPE-Aufschläge sind Zuschläge auf die unverbindliche Preisempfehlung von Ersatzteilen, die Werkstätten für Lagerhaltung und Beschaffung erheben.
Verbringungskosten
Verbringungskosten entstehen, wenn ein Fahrzeug zur Lackierung in einen anderen Betrieb gebracht werden muss, weil die reparierende Werkstatt keine eigene Lackiererei hat.
Vorschaden
Ein Vorschaden ist ein früherer Schaden am selben Fahrzeug, der vor dem aktuellen Unfall entstanden ist.
Recht & Fristen
Abtretung
Bei einer Abtretung überträgt der Geschädigte einen Teil seines Schadenersatzanspruchs an einen Dritten, etwa an Werkstatt, Mietwagenfirma oder Sachverständigen.
Bagatellschadengrenze
Die Bagatellschadengrenze markiert die Schadenhöhe, ab der ein vollständiges Schadengutachten als erforderlich gilt; sie liegt bei etwa 750 Euro.
Direktanspruch
Der Direktanspruch erlaubt es dem Geschädigten, seine Forderung unmittelbar gegen die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zu richten.
Freie Gutachterwahl
Die freie Gutachterwahl bedeutet, dass der Geschädigte nach einem unverschuldeten Unfall selbst bestimmt, wer sein Fahrzeug begutachtet.
Integritätsinteresse
Das Integritätsinteresse ist das rechtlich anerkannte Interesse des Geschädigten, sein vertrautes Fahrzeug zu behalten statt ein Ersatzfahrzeug zu kaufen.
Prognoserisiko
Das Prognoserisiko beschreibt, dass der Schädiger auch für Mehrkosten haftet, die aus einer nachträglich unzutreffenden Einschätzung im Gutachten entstehen.
Quotenvorrecht
Das Quotenvorrecht sorgt bei geteilter Haftung dafür, dass die eigene Kaskoversicherung den nicht ersetzten Teil des Schadens vorrangig ausgleicht.
Regress
Regress bedeutet, dass eine Versicherung geleistete Zahlungen vom Verursacher zurückfordert.
Schadensminderungspflicht
Die Schadensminderungspflicht verpflichtet den Geschädigten, den Schaden nicht unnötig zu vergrößern.
Verweisungswerkstatt
Als Verweisungswerkstatt bezeichnet man einen von der gegnerischen Versicherung vorgeschlagenen freien Betrieb mit niedrigeren Stundensätzen.
Werkstattbindung
Werkstattbindung ist eine Vereinbarung im eigenen Kaskovertrag, nach der im Schadenfall eine Partnerwerkstatt des Versicherers genutzt werden muss.
Die vier Begriffe, an denen am häufigsten Geld verloren geht
Wenn du nur vier Dinge mitnimmst, dann diese: Die merkantile Wertminderung steht in keinem Kostenvoranschlag einer Werkstatt und fällt deshalb bei fiktiver Abrechnung ohne Gutachten regelmäßig unter den Tisch. Der Restwert entscheidet bei einem Totalschaden unmittelbar über die Auszahlungshöhe, und Versicherungen setzen ihn über überregionale Restwertbörsen gern höher an als der regionale Markt hergibt. Die Nutzungsausfallentschädigung bekommst du auch ohne Mietwagen, aber nur, wenn Dauer und Fahrzeugklasse sauber dokumentiert sind. Und die freie Gutachterwahl bedeutet, dass du den Prüfer der gegnerischen Versicherung nicht akzeptieren musst, auch wenn der Anruf freundlich klingt.
Warum diese Begriffe überhaupt wichtig sind
Die Schadenregulierung ist ein Verhandlungsvorgang zwischen deinem Anspruch und dem Interesse einer Versicherung, möglichst wenig zu zahlen. Beide Seiten arbeiten mit denselben Fachbegriffen, aber nur eine Seite kennt sie beruflich.
Ein Gutachten gleicht dieses Gefälle aus, indem es jeden Anspruchsposten benennt und belegt. Was darin nicht steht, wird auch nicht bezahlt, und das ist der Grund, warum ein Kostenvoranschlag der Werkstatt kein Ersatz ist: Er beziffert die Reparatur, nicht deinen Anspruch.
Was kostet mich das?
Bei einem unverschuldeten Unfall nichts. Das Sachverständigenhonorar gehört nach § 249 BGB zum Schaden und wird von der gegnerischen Haftpflichtversicherung getragen. Kürzt sie das Honorar, bekommst du von uns trotzdem keine Rechnung. Was ein Gutachten üblicherweise kostet und wie sich das Honorar zusammensetzt, steht im Ratgeber Was kostet ein Kfz-Gutachter, einordnen kannst du deinen Fall mit dem Honorarrechner.